Freitag, 26. September 2014

Nebelzeit

Herbstzeit gleich Nebelzeit. Was das Herz eines jeden Wanderers erfreut, führt bei uns momentan zu Schaudern und kann zuweilen am Sektor beim einen oder anderen Lotsen sogar in leichte Fluchtgedanken münden...

Auch Pisten brauchen hie und da einen Brush-Up und drum wird seit Monaten in der Nacht jeweils an unserer Piste 14 rumgeschraubt und gewerkelt. Eine der diversen Auswirkungen dieser Arbeiten ist, dass momentan nur CAT1-Anflüge möglich sind und wir die Piste 14 deshalb bei Nebel nicht zur Verfügung haben. Die einzige Alternative, auf die wir bis irgendwann im Oktober zurückgreifen können, ist die Piste 16 mit ihrer CAT3-tauglichen ILS.

Nun hat aber die Piste 16 den nicht unerheblichen Nachteil, dass sie einerseits die Piste 28 kreuzt und andererseits von den Langstreckenflügen zum Starten benötigt wird. Kombinieren wir nun crossing RWY / single RWY operations mit Nebel, dann wird es einerseits für uns sehr schnell sehr anspruchsvoll und andererseits für die Fliegerjungs zur endlos langen Geduldsprobe.

Nebel bedeutet reduzierte Anflugkapazitäten, das kann man drehen und wenden wie man will. Im Vergleich zu Landungen auf Piste 14 bei schönem Wetter liegen wir bei Nebelanflügen auf Piste 16 nur noch bei ca. der Hälfte der Landungen, die wir pro Stunde bewältigen können - autsch!

So geschehen heute morgen während meiner Frühschicht, die für meinen Trainee nur so gespickt mit neuen und spannenden Erfahrungen war... Die Zielsetzung "Erfahrungen sammeln mit speziellen Konstellationen und Spezialfällen" haben wir heute definitiv erreicht, soviel sei schon mal vorweggenommen.

Dienstbeginn kurz nach halb 7 Uhr im Tower - wir haben Sackbahnhof, sprich wir landen auf Piste 16 und starten noch bis 7 Uhr auf Piste 34, also gegenläufig. Logo, dass in solch einem Setup nur entweder Starten oder Landen möglich ist, beides gleichzeitig würde sich irgendwie in die Quere kommen... Ab 7 Uhr wechseln wir für Starts auf die Pisten 28 und 16, aufgrund der Abhängigkeiten zu den Landungen auf Piste 16 auch nicht grad der Oberbrüller in Punkto Effizienz. Die Tatsache, dass wir mittlerweile nur noch eine weisse Mattscheibe vor den Fenstern haben, trägt das ihre zur Komplexität bei - einfach Arbeiten sieht irgendwie anders aus...

Konnten wir zu Dienstbeginn das Geschehen noch vom Clearance Delivery aus beobachten, werden wir kurz vor halb acht von unserem Supervisor an die Position des TWR Controllers verfrachtet - in the middle of the storm sozusagen... In solch einem komplexen Umfeld sind regelmässige Ablösungen ein absolutes Must - das Fokussieren auf die Bildschirme ist echt anstrengend und erfordert vollste Konzentration!

Nach anfänglichem Herantasten an das Konzept und Einschiessen in die Arbeit mit ein paar gezielten Inputs meinerseits, findet mein Junior den Tritt und schlägt sich wirklich wacker, was die Ausbildnerin freut und bei Laune hält. Landing clearance - take off clearance - landing clearance - take off clearance - landing clearance usw. Dazwischen wird fleissig geplant und koordiniert, Optionen werden angedacht und bei Bedarf auch ausgeführt.

Doch so sehr wir uns auch bemühen - der Delay, den wir mit dieser Konstellation einfahren, ist einfach riesig! Ein normaler Morgenoutbound mit einem bis zwei Starts auf Piste 16 ist in der Regel gegen halb neun erledigt - heute sind wir auch um 10 Uhr noch nicht ganz fertig damit. Dazwischen haben wir mal eben 2 Pistenwechsel (auf Landung 14 und leider wieder zurück auf Landung 16, der Nebel war eben doch stärker), ein paar Go Arounds  und einen Feuerwehreinsatz bewältigt - nein Langeweile kam definitiv keine auf...

Der Gedanke an die erste sich anbahnende Langstreckenwelle mit diversen Starts 16 lässt uns leicht erschaudern, der Delay, den wir so kassieren würden, wollen wir uns nicht mal vorstellen müssen... Doch siehe da, der Nebel hat ein Einsehen und lichtet sich allmählich, wir können wieder auf Landung 14 wechseln und dieses Mal auch dabei bleiben, Glück gehabt! Das Aufräumen zieht sich aber dennoch hin. Der Inbound, der normalerweise gegen Mittag fertig ist, dauert bis kurz vor 13 Uhr und fällt somit fast mit unserem wohlverdienten Dienstende zusammen...

...so macht Nebel viel mehr Spass...

Kommentare:

  1. Junge, junge, nach so einer Schicht ist wohl jeder Nuddle-fertig. Super beschreiben. Solche Texte machen immer wieder Spass!

    Grüsse, Severin

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    1. ...yep, da ist man fix und foxi und freut sich entweder auf einen ruhigen Sofa-Nachmittag oder baut den ganzen Stress auf einer ausgedehnten Laufrunde ab...

      Wieder einmal Danke für die Blumen!

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