Freitag, 28. September 2012

Nebel

Nebel. Man mag ihn oder man mag ihn nicht. Mein Verhältnis zum Nebel ist zwiespältig. Wenn ich ihn von oben anschauen darf, dann gefällt er mir ausserordentlich gut. Wenn ich aber unter dem Deckel oder in der Suppe drin sitze, dann ist er mir nicht so sympathisch.

Beim Arbeiten mag ich ihn nicht. Dabei ist er grad am Flughafen Zürich ein treuer, ja teils äusserst hartnäckiger Begleiter. In Dübendorf, vor der Radarkonsole ist er noch einigermassen akzeptabel. Da geht halt alles ein wenig langsamer und wir müssen mit grösseren Abständen anfliegen und ein bisschen mehr Informationen übermitteln als normal. Zudem gibt es ab und zu den einen oder anderen Go Around, weil die Piloten die Lichter am Minimum eben nicht gesehen haben. Alles in allem aber ist Nebel vor dem Radarschirm ziemlich erträglich.

Im Tower sieht das ein bisschen anders aus. Da herrscht beim Blick aus dem Fenster wortwörtlich Mattscheibe. Wir sind deshalb gezwungen, ganz auf unser Bodenradar auszuweichen und uns ausschliesslich auf die Bildschirme zu konzentrieren. Diese Art zu arbeiten ist extrem ermüdend. Zudem mag ich das Gefühl nicht, beim Blick aus dem Fenster einfach nix zu sehen. Tower Controller arbeiten im Normalfall nun mal mit dem Blick nach draussen und benutzen die diversen Schirme lediglich als Hilfsmittel. Der Verkehr findet draussen statt. Nicht umsonst ist "useluägä" eines der ersten Themen, das wir unseren Trainees in der Tower-Ausbildung gnadenlos einhämmern.

Im Tower gibt es bei Nebel einige Punkte, die wir zusätzlich beachten müssen. So braucht es beispielsweise am Morgen vor der ersten Landung nebst der normalen Pistenkontrolle einen zusätzlichen Check der Pistenbefeuerung. Ebenso müssen wir unsere Notstromanlagen präventiv einschalten, damit im Falle eines Stromausfalles die unterbruchsfreie Stromversorgung gewährleistet ist. Zudem reicht es bei Nebel nicht, dass die gelandete Maschine die Piste verlassen hat. Sie muss zusätzlich aus einer definierten Zone draussen sein, wenn der nächste Anflug bei 1NM Final ist, denn sonst müssen wir zwingend einen Go Around verordnen, da haben wir keinen Spielraum! Das Einhalten dieser Vorschrift können wir auf dem Bodenradar kontrollieren. Sobald der entsprechende Rollhaltebalken passiert wird, ist die Zone frei. Pilotenseitig ist das Verlassen dieser Zone mittels des sogenannten Colour Coded Taxiway Centreline Lighting (S.19 - 10.5) zu beobachten, die bis zum entsprechenden Stopbar grün-gelb codiert ist. Da wir auch bei Nebel die Abstände nicht unnötig gross (und damit die Anflugrate nicht noch weiter reduzieren) wollen, sind wir darauf angewiesen, dass die Piste beim erstmöglichen Exit verlassen und nicht zum nächsten TWY gerollt wird, nur weil dieser zum Rollen halt ein wenig bequemer ist. Die Hintermänner, die deswegen sonst eventuell einen Go Around bekommen, lassen danken... Auch Fahrzeuge auf dem Flugplatz sind von dieser Vorschrift betroffen und dürfen sich nicht ganz so frei bewegen wie bei gutem Wetter. Der Grund dieser Regelung ist, dass wir ein störungsfreies Funktionieren der ILS garantieren müssen, denn flugzeugseitig wird bei Nebel auch ein wenig anders angeflogen als bei strahlendem Sonnenschein. Vielleicht mag ja einer der wenigen verbliebenen Schoggi-Blogger etwas dazu schreiben - ich hätte da eigentlich den ewig hungrigen Langstreckenjunior im Visier. Schliesslich habe ich ja vor einiger Zeit von ihm mal Hausaufgaben gekriegt, die ich äusserst speditiv erledigt habe. Ich finde, dass ich da jetzt schon ein wenig Gegenrecht halten darf ;-)

Den ersten richtigen TWR-Nebeltag in dieser Saison habe ich erst kürzlich hinter mich gebracht - ich fürchte, dass es längst nicht der letzte war...

Mattscheibe am frühen Morgen


es bessert ganz langsam...

An alle, die sich fragen, wie es wohl Kollege nff geht. Ich habe versucht, ihn ganz sanft ein wenig unter Druck zu setzen und zur Rückkehr in die Schoggi Connection zu bewegen. Noch zeigt er sich resistent, aber ich habe ja auch noch längst nicht alle meine Mittel ausgeschöpft - wir bleiben dran...

Freitag, 21. September 2012

Once upon a time...

Es war einmal ein Langstreckencopilot, der im Jahre 2004 mit Bloggen begonnen hat. Im Laufe der Zeit haben sich noch drei bloggende Piloten zu ihm dazu gesellt, so dass die treue und zahlreiche Leserschaft fortan die Auswahl zwischen vier amüsanten, humorvollen, lehrreichen, bissigen und ab und zu auch ein wenig philosophischen und nachdenklich geschriebenen Blogs hatte.

Die Stunden vor dem Bildschirm vergingen oftmals wie im Flug, das Stöbern in all diesen Werken machte immer wieder ganz viel Spass und hat auch an trüben Tagen für so manches Schmunzeln gesorgt.

Vor knapp einem Jahr hat sich ein TWR Mädel zu den vier Flieger Jungs dazu gesellt. Der Austausch zwischen beiden Seiten wurde fortan gehegt und gepflegt. Der Spass kam dabei definitiv nicht zu kurz, und die berüchtigte, fast schon legendäre Schoggi Connection wurde aus der Taufe gehoben.

Vor genau drei Monaten bekam dieser eigentlich fast schon unschlagbare Haufen erste Risse. Der Weise unter den Schreiberlingen verabschiedete sich aus der Truppe, einfach so und gänzlich unerwartet.

Vor knapp einer Woche dann der nächste Hammer. Der Superstar unter den Aivatikbloggern zieht die Reissleine und schleicht sich mitsamt seiner Kommentarfunktion davon, ebenfalls einfach so und gänzlich unerwartet, peng! Dabei faselt er etwas von müdem Grossonkel - also ich nenne das eher böser, gemeiner Grossonkel...




Wenn ich diese Zeilen nochmals durchlese, gehen mir folgende Gedanken durch den Kopf:

1. Auch moderne Märchen haben nicht immer ein Happy End - oder täusche ich mich vielleicht doch?

2. Der bloggende Teil der Schoggi Connection ist momentan zwar dezidiert, aber noch lange nicht tot - topaktuell bei ihm nachzulesen!

3. Ich muss die Namen auf meiner Lieblingspiloten-Liste wieder einmal kritisch durchgehen. So wie ich die gegenwärtige Situation einschätze, hat es da durchaus noch freie Plätze. Bewerbungen nehme ich gerne entgegen, schon demnächst bietet sich hier eine hervorragende Gelegenheit dazu ;-)

4. Die beiden "Nicht-mehr-bloggenden-Flieger-Jungs" fehlen im Netz ganz gewaltig, zumindest mir. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich nicht die Einzige bin, die das so beurteilt... Oder wie seht ihr das liebe Leserinnen und liebe Leser?

Freitag, 14. September 2012

Happy New Year

Der Alltag hat mich wieder. Mit all seinen Facetten. Auch den Jetlag habe ich inzwischen einigermassen überwunden. So hoffe ich zumindest. Der wahre Härtetest kommt dann morgen in Form meines ersten Frühdienstes seit dem Ende unserer Ferien...

Eigentlich habe ich mich darauf gefreut, meine Schoggi-Piloten endlich wieder in die Finger und auf die Welle zu kriegen. Doch bis jetzt herrscht diesbezüglich nicht bloss Flaute, sondern totale Fehlanzeige!

Einer geniesst seine Ferien in den schönen Schweizer Bergen - ich mag es ihm gönnen!

Ein anderer will offenbar nicht mehr mit mir reden, denn wie sonst ist es zu erklären, dass er sich unter dem Vorwand der Instruktoren-Tätigkeit dauernd auf dem Jumpseat oder im Schulzimmer verschanzt und sich so schlicht weigert, meine Anweisungen entgegen zu nehmen oder aber mich durch die Gegend zu kutschieren?

Der Dritte jammert, dass er praktisch nur noch im SIM im Einsatz sei, ja macht er das denn nicht freiwillig...?

Und der Kleine? Der behauptet, dass er Reserve schiebt. Wo genau er sich rumtreibt und was wirklich dahinter steckt, werden wir wohl nie erfahren...

ATC-technisch ist nach wie vor alles beim Alten. Einige Piloten haben viel Freude an uns und unserer Arbeit, andere ein bisschen weniger. Einige sind äusserst kooperativ, andere ein ganz klein wenig komplizierter. Einige jammern wegen Rückenwind im Anflug, andere lassen sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Einige umfliegen jedes noch so kleine Wölkchen, andere durchfliegen genau die gleichen Wolken ohne mit der Wimper zu zucken. Business as usual also. Oder etwa doch nicht? Nicht ganz, zumindest nicht für alle.

Neulich ruft auf Delivery ein Pilot einer Gesellschaft aus dem arabisch sprechenden Raum. Seine Passagiere sind an Bord, alles scheint paletti, sie sind ready und wollen gehen.

Ich klicke also auf seinen Flugplan in unserem System, um ihm die Clearance erteilen zu können. Doch hoppla, da hat es eine Meldung drin, die nix Gutes verheisst. "Flight Suspension Message" steht da geschrieben, was auf Deutsch übersetzt so viel heisst wie, dass er nicht gehen kann und dass es mit seinem Flugplan irgendein Problem gibt. Statt der erwarteten Clearance bekommt er drum von mir ein "Stand-by" zur Antwort, denn meine Pflicht ist es nun abzuklären, weshalb dieser Flugplan suspendiert worden ist. Ich greife deshalb zum Telefon, um mit unserer Flugplanposition zu schauen, was nicht gut ist. Schliesslich muss ich dem Piloten nachher sagen können, was mit seinem Flugplan nicht stimmt, respektive was geändert werden muss, damit der Flugplan reaktiviert werden kann. Noch während ich am Telefon bin, fragt er ein erstes Mal ziemlich ungeduldig nach dem zu erwartenden Delay, was ihm aber nur ein weiteres, kurzes "Stand-By" einträgt.

Da der Fall offenbar ziemlich kompliziert ist, kann mir die Kollegin am anderen Ende der Leitung nicht sofort sagen, wo das Problem liegt. Sie verspricht, mich schnellstmöglich zurückzurufen, was erfahrungsgemäss ein paar Minuten dauern kann.

Ich nutze die Zeit, um dem Piloten zu erklären, dass sein Flugplan momentan suspendiert sei, ich den Grund dafür noch nicht kenne, ihn aber sobald möglich aufdatieren werde. Seine Reaktion lässt erkennen, dass er alles andere als begeistert ist... Nach gefühlten dreissig Sekunden fragt er schon wieder nach, ob ich News für ihn habe, was ich abermals verneinen muss.

Nach einigen Minuten meldet sich meine Kollegin wieder und teilt mir mit, dass eine Höhenrestriktion für einen Überflugs-Punkt im Flugplan nicht eingehalten werde und der Flugplan deshalb entsprechend angepasst werden müsse. Ich teile dies dem Piloten mit zusammen mit der Aufforderung, das via seine Company zu veranlassen.

Nach zwei Minuten fragt er nach, ob es jetzt ok sei, was mich ein wenig stutzig macht, denn das Verarbeiten solcher Änderungen beansprucht in der Regel 5-10 Minuten. Wie erwartet habe ich noch keinen Update im System drin.

Was nun folgt könnte man auch mit "Schwarzer Peter" umschreiben. Er fragt alle paar Minuten hartnäckig nach und ebenso hartnäckig muss ich ihm sagen, dass ich noch kein Update habe. Seine Frage, was er seinen Passagieren sagen soll und wie lange das noch dauern werde beantworte ich ihm kurz und bündig mit "I don't know", denn ich habe auch noch einige andere Kunden zu betreuen, er ist bei weitem nicht der einzige auf meiner Frequenz.

Nach ca. 20 Minuten wird es mir zu bunt und wir greifen ein, obwohl wir das gar nicht gerne machen (und das eigentlich auch nicht unsere Aufgabe ist!), denn wenn mehrere Parteien am gleichen Flugplan rumschrauben geht es in der Regel gründlich schief. Ich weise ihn deshalb an, nichts mehr zu machen. Mit Hilfe der Kollegin an der Flugplanposition nehmen wir uns des Problems an und siehe da, es dauert gar nicht allzu lange, bis wir einen gültigen Flugplan im System drin haben. Allerdings hat auch dieser Flugplan einen klitzekleinen Haken, nämlich einen Slot in einer Stunde!

Zu meinem Glück werde ich jetzt abgelöst und darf den Herrn an meine Kollegin übergeben. Sie teilt ihm mit, dass wir zwar nun einen gültigen Flugplan haben, dieser aber einen Slot beinhalte, der in einer Stunde beginne. Seine Begeisterung darüber brauche ich ja wohl nicht weiter zu beschreiben.
Mittels einer sogenannten "Ready Message" gelingt es uns dann aber einen Slot zu bekommen, der mit no delay gleichzusetzen ist. Meine Kollegin ruft ihn drum abermals auf und teilt ihm mit, dass er einen neuen Slot habe, der in wenigen Minuten beginne. Seine Antwort darauf lautete kurz und bündig "Happy New Year!"

Was genau er uns damit sagen wollte, werden wir wohl nie erfahren, amüsiert hat es uns aber so oder so...




Nachtrag: das Aufstehen heute Morgen um 4.30h war einfach nur brutal - offenbar ist meine innere Uhr immer noch nicht ganz synchronisiert mit der MESZ. 
Und seit diesem Beitrag wissen wir zumindest, dass es den Juniorflieger doch noch gibt. Ob wir nach dem Lesen seines neusten Werks aber wirklich detailliert wissen wollen, was genau er macht wage ich ehrlich gesagt ein wenig zu bezweifeln...

Samstag, 8. September 2012

Time to go home

Nach knapp drei Wochen mehr oder weniger fern der Zivilisation finde ich endlich wieder einmal Zeit, um mich ausgiebigst den elektronischen Medien zu widmen.

Was ich da alles lese, lässt mir die Haare zu Berge stehen. Kaum ist TWR Mädel ausser Haus, scheint es den Fliegerjungs (zu) wohl zu werden...

Während sich der eine offenbar mehr oder weniger masslos mit Brownies vollstopft, jammert ein anderer, dass der Wurm drin sei und ich nach Hause kommen müsse, derweil der Dritte eine kesse Lippe riskiert und von unheiliger Allianz schreibt, um sich aber im gleichen Atemzug darüber Gedanken zu machen, dass er diese Aussagen eventuell noch bereuen werde...

Es offenbar tatsächlich höchste Zeit, nach Hause zurückzukehren und für ein wenig Ordnung im Stall zu sorgen!

Mitbringen aus diesen Ferien werde ich

- kein neues Brownies Rezept, denn was eh schon hervorragend ist, muss nicht geändert werden

- geschätzte 700 Fotos, die mir noch einiges an Arbeit aber auch ganz viel Freude bescheren werden

- haufenweise Erinnerungen an rundum gelungene Ferien, die mit einem absolut genialen Flug begonnen haben (an dieser Stelle nochmals vielen herzlichen Dank für alles!!!) und heute Nacht hoffentlich mit einem ebenfalls gelungenen Flug ihr Ende finden werden. Ob der von mir so sehnlichst erhoffte Anflug34 allerdings stattfinden wird, wage ich aufgrund der Wettervorhersage zu bezweifeln...
TAF LSZH ZURICH 081725Z
0818/0924 VRB03KT CAVOK TX25/0915Z TN10/0905Z BECMG 0822/0901 3000 MIFG BECMG 0901/0903 0300 FG VV001 BECMG 0907/0909 3000 BKN003 BECMG 0909/0911 CAVOK=
(Langzeitprognose für Zürich ausgegeben am 8. Sept, 17.25z, gültig vom 8. Sept 18z bis 9. Sept 24z: zuerst wenig Wind, Wolken und Sicht tiptop und schön warm, ab 22z am Abend verschlechtern sich Sicht und Wolken so langsam aber sicher und am 9. Sept ab 01z absolute Sch...Sicht und stockdicker Nebel...)

- die Feststellung, dass drei Wochen ohne Bloggen eine verdammt lange Zeit sind
 
- die Erkenntnis, dass es auch zu Hause wunderschön ist und ich eben doch den besten Job der Welt habe - ich freue mich jetzt schon darauf, meine Jungs wieder auf die Welle und in die Finger zu kriegen!



Nachtrag: Die Wettergötter waren uns heute Sonntag entweder äusserst wohlgesinnt oder aber sie haben die Flughafen-Prognose schlicht nicht gelesen... Weshalb auch immer ist eigentlich egal, Fakt ist, wir durften heute Morgen im Cockpit einen sensationell schönen Anflug auf die Piste 34 miterleben.
Allen, die dazu beigetragen haben, dass uns dies ermöglicht wurde sei an dieser Stelle ganz herzlich gedankt! So macht auch das Nach-Hause-Kommen ganz viel Freude!