Mittwoch, 15. August 2012

Have a break

Auch das TWR Mädel braucht zwischendurch ein wenig Erholung - drum mach ich mal ne Weile Pause und mit mir auch mein Blog.

Für alle, die in der Zwischenzeit ein wenig ATC-Luft schnuppern wollen ist dieses Video angehängt. Das ist ein offizieller Werbefilm von skyguide - nicht mehr ganz neu zwar, aber wie ich meine immer noch sehr sehenswert. Und an alle, die sich jetzt fragen, ob vielleicht... nein, mich findet man nicht in diesem Filmchen...

I'll be back!



Samstag, 11. August 2012

It's unique

Zurich Airport, oder eben Flughafen Zürich. Eine Weile lang hatte unser schöner Flughafen die Bezeichnung unique in seinem Namen drin. Auch wenn ich diesen Zusatz ehrlich gesagt nicht vermisse, ganz unpassend war er nicht.

Der Traffic Mix, die Vielfalt an Luftfahrzeugmustern, die sich auf und um unseren Flughafen tummeln ist im Vergleich zu anderen internationalen Grossflughäfen vermutlich ziemlich einzigartig und sucht seinesgleichen.

Vom Heli über den Powerglider oder die Single Engine Piper (wohlgemerkt IFR wie VFR!) und eine Vielzahl an Jets jeglicher Art bis hin zum Möbelwagen haben wir fast alles im Angebot, was das Aviatikerherz begehrt. Ok, die 747 macht sich zu meinem Leidwesen ziemlich rar, umso grösser ist dafür die Freude, wenn wir endlich wieder einmal eine zu Gesicht und auf die Welle bekommen.

Dieser Traffic Mix macht unsere Arbeit sehr spannend und anspruchsvoll und sorgt dafür, dass garantiert keine Langeweile aufkommt. Die zum Teil sehr unterschiedlichen Performances müssen unbedingt berücksichtigt werden, sonst frisst der A321 auf der ILS plötzlich die C510 und das anfängliche Spacing löst sich buchstäblich in Luft auf. Unschön für beide Seiten, wenn es am Ende deswegen einen Go Around und 10 Minuten Extraflugzeit gibt...

Lotsenseitig bedeutet das, dass wir die verschiedenen Speeds (wie z.B. Green Dot Speed oder Final Approach Speed), sowie die Steig- und Sinkflugeigenschaften der einzelnen Typen kennen müssen, sonst können wir keine vernünftige Planung (die unabdingbare Basis für ein sauberes Traffic Handling) machen. Da beispielsweise Speeds nicht in Stein gemeisselt sind, sondern von diversen Faktoren abhängen, kann es schon mal vorkommen, dass wir nachfragen müssen, welches nun die genaue Minimum Approach Speed sein wird. Vor allem bei kleinen, einmotorigen Maschinen müssen wir auch wissen, mit welcher Geschwindigkeit wir auf der ILS bis wohin rechnen können, sonst gibt es eine Lotterie, die Unterschiede diesbezüglich sind enorm.

Pilotenseitig sind wir darauf angewiesen, dass die zugeteilten Geschwindigkeiten strikte eingehalten werden. Ist das aus irgendeinem Grund nicht möglich, müssen wir das wissen und zwar bevor einfach gebremst wird und wir hinten dran auflaufen. Eine pilotenseitig verlangte Speedreduction wird niemals verweigert werden, wir können die Piloten ja nicht zu etwas zwingen, das aus ihrer Sicht nicht geht. Aber es wäre nett, wenn man uns vorgängig etwas sagt und nicht einfach bremst und glaubt wir merken es dann schon... Merken tun wir es tatsächlich, unter Umständen aber nicht grad sofort und dann kann es eventuell ein bisschen eng werden. Und wenn deswegen der Hintermann eine Extrarunde gewinnt, wird sich seine Begeisterung darüber ziemlich sicher in ganz engen Grenzen halten...

Ein mindestens so spannendes und anspruchsvolles Thema wie der IFR Traffic Mix ist die Integration des ganzen VFR Verkehrs. Das ist sozusagen das Salz in der Suppe eines jeden Tower Controllers. Helikopter sind dabei mit Abstand am einfachsten zu managen, sie brauchen höchst selten eine unserer Pisten zum Starten respektive Landen.

Ein bisschen anders verhält es sich mit den Flächenflugzeugen. Im Gegensatz zu anderen Airports haben wir für die VFR Flieger nämlich keine separate Piste zur Verfügung, sondern integrieren die Kleinen in die Grossen und zwar so, dass es für die Grossen bitteschön möglichst keinen Delay geben möge. Löcher im Verkehrsablauf der Grossen hat es immer mal wieder, wir müssen ja so starten, dass wir diese Maschinen dem Departure Controller mit Radarseparation abgeben können. Das kann zum Beispiel bedeuten, dass ein A319 hinter einem RJ1H rund drei Minuten warten muss, sonst wird der Jumbolino im Climbout ruckzuck vom Airbus aufgefressen. Und genau diese Löcher zwischen den Grossen gilt es konsequent mit den Kleinen aufzufüllen.

Ab und zu haben wir von VFR Piloten sogar Anfragen für Touch-and-Go's. Wenn es grad reinpasst, dann machen wir auch das gerne, das ist auch für uns zwischendurch ein gutes Training. Selbstverständlich bewilligen wir solche Flüge nicht zu Spitzenzeiten. Zudem sollten solche Anfragen vorgängig via Telefon angemeldet werden. So können wir auch ein bisschen planen oder aber von Anfang an unser Veto einlegen, wenn absehbar ist, dass das zur gewünschten Zeit nicht funktionieren wird.

Neulich wurde ich im Tower wieder mal mit einer solchen Anfrage konfrontiert. Der Wunsch der Fluglehrerin lautete zwecks Einführung eines Flugschülers Anflüge auf möglichst alle Pisten machen zu können. Und da das Glück uns hold war, konnten wir ihr diesen Wunsch erfüllen und ihr Anflüge auf fünf von sechs Pisten ermöglichen. Klar, dass so was nur funktioniert, wenn alle Beteiligten sauber mitmachen und nicht jede Anweisung zweimal erteilt werden muss. Das Dankesmail des Flugschülers, welches die Fluglehrerin an mich weiter geleitet hat, hat mich enorm gefreut.

Was passiert, wenn Anweisungen (weshalb auch immer) nicht befolgt werden, musste ein VFR Pilot letzthin erfahren. Seine Anfrage lautete unsere CTR von Osten über den Platz nach Westen zu durchfliegen. Mein Kollege bewilligte ihm diese Anfrage zuerst, stellte dann aber rasch fest, dass dieser Pilot nicht in der Lage war, seinen Anweisungen Folge zu leisten. Trotz mehrmaligem Nachhaken und Wiederholen der Freigabe flog er nicht das, was er hätte fliegen sollen. Mein Kollege machte daraufhin das einzig Richtige und annullierte die zuvor erteilte Freigabe.

Wer jetzt denkt "boah, das war jetzt aber nicht nett!", dem sei folgendes gesagt: Wir bieten gerne Hand und ermöglichen was immer machbar ist. Das können wir aber nur, wenn unsere Anweisungen sauber befolgt werden. Wird nicht mitgemacht, dann müssen wir konsequent sein. Wenn es nämlich schief geht, stehen wir im dümmsten Fall am Schluss vor der Untersuchungsbehörde und darauf können wir alle bestens verzichten...


Dienstag, 7. August 2012

What a beautiful morning





Dazu noch ein TWR Nespresso und der Tag kann kommen...


Mittwoch, 1. August 2012

Olympia

London 2012. Olympia soweit das Auge reicht. Die Spiele sind lanciert. Leider wurde DER aviatische Olympia-Experte schlechthin bei der Eröffnungsfeier als Fahnenträger nun doch nicht berücksichtigt, obwohl er es mehr als verdient gehabt hätte. Die ersten Medaillen sind ebenfalls schon längst verteilt - wenn auch nicht unbedingt so, wie sich die Eidgenossen das in gewissen Disziplinen vorgestellt haben. Und just heute am Schweizer Nationalfeiertag muss man schon fast von einem helvetischen Totalabsturz reden respektive schreiben...

Wettkämpfe mit Siegern und Verlierern gibt es aber nicht nur auf der Insel. Wettbewerbe ohne Ende gibt es auch in der Aviatik und zwar an verschiedensten Fronten. Gefightet wird längst nicht nur zwischen verschiedenen Airlines. Konkurrenz gibt es auch innerhalb der gleichen Firma und das nicht zu knapp. Die Frage nach Siegern und Verlierern stellt sich immer wieder an allen Ecken und Enden.

Einer der Klassiker schlechthin ist die tägliche Frage nach der number one, über die ich hier früher berichtet habe. Gestern durfte einer unserer Frischlinge mit Unterstützung seines Ausbildners die Entscheidung des Morgens fällen und ausführen. Es ist immer wieder schön zu beobachten, wie unsere Jungen an solchen Kleinigkeiten grossen Spass haben und auch morgens um halb sechs voller Motivation und Tatendrang zu Werke gehen. Eine wirklich muntere Truppe ist das, die wir dieses Mal ins Live-Training bekommen haben. Ich hoffe, sie werden uns auch weiterhin nur Grund zur Freude liefern und mir in meiner Funktion als einer ihrer Head Course Instructors möglichst keinen Ärger verursachen...

Die Frage, wer den Flughafen am Morgen eröffnen darf, ist jedoch längst nicht die einzige aviatische Rivalität, die wir regelmässig live und an vorderster Front mitverfolgen können und dürfen. Es existieren da auch noch einige andere Paarungen, die immer wieder für Spannung unter den Fliegerjungs und Amüsement beim TWR Mädel sorgen.

Einer dieser Evergreens lautet Tel Aviv gegen Kairo. 

Hä - oder auf gut deutsch wie bitte? Was will sie uns denn jetzt schon wieder sagen? Nun, gemäss Flugplan verlassen diese beiden Flüge Zürich am Morgen zur exakt gleichen Zeit und sollten auch zur genau gleichen Zeit am Abend wieder retour sein. Logo, dass da der Wettkampfgedanke hie und da ein wenig aufblitzt bei den beteiligten Crews. Das kann durchaus soweit gehen, dass sich der Captain des Tel Aviv am Morgen beim Briefing im Operation Center zu der Aussage verleiten lässt "Na, wer hat denn heute den Kairo? Ihr habt im Fall schon verloren, wir haben heute nämlich die ATC mit dabei!" Die Frage, wer an besagtem Abend tatsächlich zuerst wieder Zürcher Boden unter den Füssen gehabt hat, wird an dieser Stelle jetzt nicht beantwortet...

Ein anderer Dauerbrenner ist LA gegen San Francisco. Auch diese beiden Flüge sollten in Zürich innerhalb von fünf Minuten ankommen und das notabene nach über elf Stunden Flugzeit! Da wir es um diese Zeit meist schon mit ordentlich vielen Anflügen der Nachmittagswelle zu tun haben ist der Spielraum für Sequenzanpassungen sehr begrenzt. First come - first served / maximum number of aircraft with least average delay lautet das Motto darum. Überwerfungen werden nur in absoluten und gut begründeten Ausnahmefällen gemacht, denn der Aufwand dafür ist in der Regel ziemlich gross, der Platz dazu aber umso begrenzter. Die Frage, wer von diesen beiden Langstrecklern gewinnt, wird deshalb schon weiter aussen und ohne unser Dazutun entschieden, umso mehr, als dass diese beiden Flüge meistens schon seit Stunden hintereinander herfliegen und über den gleichen Anflugfix reinkommen. Die Sequenz zwischen den beiden ist längst gesetzt, wir müssen sie dann nur noch zu Ende respektive auf den Boden bringen.

Neulich nun wollte es der Zufall, dass im einen der beiden Langstreckler der eine der beiden Langstreckenblogger sass und im anderen der beiden Langstreckler der andere der beiden Langstreckenblogger. Und da es sich hier sozusagen um eine einmalige Gelegenheit handelte, hat sich das TWR Mädel wieder einmal gnadenlos in den Vordergrund gedrängt und einen Kollegen kurzerhand ganz nett vom Sektor verdrängt. Innert so kurzer Zeit grad zwei Mitglieder der Schoggitruppe in die Finger und auf die Welle zu bekommen konnte ich mir ja unmöglich entgehen lassen! Selbstredend, dass beide Beteiligten voneinander wussten und ebenso selbstredend, dass beide der Ansicht waren, sie würden dieses kleine Rennen locker gewinnen.

Ein erster Blick in unser Planungstool zu Dienstbeginn zeigte ganz klar, dass die Sache bereits deutlich gelaufen war. Die Lage war sogar derart klar, dass ich die beiden letztlich nicht mal gleichzeitig auf meiner Welle hatte, obwohl das rein flugplantechnisch sehr wohl möglich gewesen wäre. Schade, dass das nicht geklappt hat, das wäre sozusagen meine olympische Goldmedaille gewesen. Spass gemacht hat es mir aber trotzdem und zwar mit beiden!

Der Verlierer weiss um seinen Trostpreis, ich bin mir sicher, dass ihn das bald wieder aufmuntern wird. Der Gewinner freut sich über seinen Sieg, obwohl diese Freude eventuell nicht allzu lange andauern wird. Die nächste Gelegenheit, bei der die beiden Kontrahenten aufeinander treffen werden ist nämlich schon bekannt. Ich bin bereits sehr gespannt, welcher von beiden dann mit einem Grinsen auf dem Gesicht nach Hause gehen wird und freue mich heute schon auf die bloggerische Aufarbeitung dieses erneuten Zusammentreffens...

Welcher von beiden dann bloggen wird können die zwei ja untereinander ausknobeln - obwohl es sicher sehr interessant wäre dann beide Perspektiven dieses gemeinsamen Abenteuers lesen zu können ;-)