Donnerstag, 29. März 2012

0747

Ich habs schon wieder getan. Jawoll. Ich kanns einfach nicht lassen, ich bin offenbar ein ganz klein wenig aviatiksüchtig...

Ich war schon wieder auf eigene Rechnung fliegen, natürlich wieder im Cockpit, natürlich wieder auf dem Jumpseat - wo denn sonst. Da ich meine Piloten aber nicht über Gebühr strapazieren will und zum Glück diverse Kontakte hegen und pflegen darf, bin ich dieses Mal in einem der Langstreckenvögel mitgeflogen und habe die Gelegenheit benutzt, um kurz und intensiv New Yorker Luft zu schnuppern.

Natürlich war es für mich von Anfang an sonnenklar, dass ich auch auf diesem Flug nicht mit leeren Händen kommen werde. Da ich aber nicht wusste, wie viele Besatzungsmitglieder es auf so einem grossen Vogel hat, habe ich vorgängig Captain Dide angefragt, zusammen mit dem Hinweis, dass ich beabsichtige Brownies zu backen. Seine Antwort lautete folgendermassen: 

..."Wir sind 84 Crewmembers - also den Ofen bitte zweimal füllen"...            (Meine Brownies scheinen wirklich zu schmecken...)

Wie erwartet bin ich einmal mehr echt beeindruckt. Ich habe wieder viel gelernt, der Austausch mit beiden Piloten war - ich neige schon fast dazu zu sagen - wie immer äusserst bereichernd, spannend und hochinteressant. Beide Flüge vergingen wie im Flug, und da es sich sowohl beim Captain wie auch bei der mitfliegenden Lotsin um bekennende Jumbofans handelt war die Vorgabe klar. Es wäre doch absolut stylish, eines der beiden Legs in einer Flugzeit von 7.47 Stunden zu absolvieren, oder etwa nicht...?

Manhattan - oder nöd ;-)

Wir hatten das grosse Glück auf dem Hinflug einen der drei mit ATSAW ausgerüsteten 330er zu fliegen. Auch für mich als Lotsin war es sehr spannend und lehrreich dieses neue System und die sich bietenden Möglichleiten eins zu eins zu sehen. Der Unterschied zum heutigen TCAS ist gewaltig, das Bild, welches sich dank ATSAW bietet ist um ein Vielfaches aussagekräftiger und erleichtert es der Lotsin enorm, sich im Cockpit ebenfalls einigermassen in die aktuelle Verkehrslage hineinzudenken.

Der Zufall wollte es, dass Captain nff heute Morgen praktisch zeitgleich im Anflug war auf Zürich wie wir und das erst noch auf der gleichen Approach-Frequenz. Nach der schlaflosen Nacht ist meine Denkzentrale inzwischen aber dermassen matschig, dass ich mir mittlerweile nicht mehr wirklich sicher bin, wer denn nun effektiv voraus war - der Grosse im Kleinen oder wir Kleinen im Grossen. Zum Glück kann ich mich aber auch in diesem Fall auf kompetente Unterstützung verlassen und hier nachlesen, dass der grosse Vogel den kleinen Vogel tatsächlich überholt hat und ich das genauso wenig geträumt habe wie den absolut umwerfenden Sonnenaufgang heute Morgen irgendwo zwischen New York und Zürich.


Freitag, 23. März 2012

Number One

Es ist immer wieder interessant zu beobachten, wie sich gestandene Piloten wie kleine Kinder freuen können, wenn wir ihnen am frühen Morgen auf einer unserer Approach Frequenzen nach einem endlos langen Nachtflug mitteilen, dass sie heuer die Number One im Anflug sein werden und somit den Flughafen sozusagen eröffnen dürfen.
(Ich frage mich zwar immer noch, weshalb es sooooooo viel mehr Spass macht, wenn man an der Spitze der frühmorgendlichen Elefantenparade anfliegen darf und nicht als Nummer zwei oder drei hinten anschliessen muss, aber vielleicht kann mir das einer der diversen Langstreckenprotagonisten bei Gelegenheit mal genauer erläutern...)

Erfahrungsgemäss sind es in etwa immer die gleichen drei Flieger (nämlich BKK, HKG und JNB), die dieses Rennen Morgen für Morgen unter sich ausmachen. Damit man also in den Genuss der ersten Landung auf dem Flughafen kommt, ist es erstens von Vorteil in einer dieser Maschinen unterwegs zu sein und zweitens muss man von uns auch noch sequenztechnisch an die Spitze der frühmorgendlichen Anflugwelle gesetzt werden. Logisch, dass es unter diesen Umständen eine ganze Weile dauern kann, bis man (wieder einmal, oder auch überhaupt erst) zu dieser Ehre kommt.

Normalerweise halten wir uns beim Erstellen der Sequenz an die Regel first come - first served, will heissen, derjenige, der zuerst über dem IAF ist, kommt auch als erster dran, wobei dies nicht das einzig ausschlaggebende Kriterium ist, das wir in diesem speziellen Fall zu beachten haben.

Kollege Gächter hat uns vor einiger Zeit am Schluss dieses Beitrags wissen lassen, dass es mit der Flughafen-Eröffnung für ihn bisher offenbar noch nicht hat klappen wollen. (Ob das - wie von ihm geschrieben - mit nicht erfolgten Schoggilieferungen oder was auch immer zu tun hat lassen wir für einmal unbeantwortet stehen...)

Neulich nun kam er von seinem gewünschten BKK retour und wähnte sich somit schon fast in der Pole Position, umso mehr als dass er wusste, dass ich an besagtem Morgen (allerdings im Tower) auch schon zu Unzeiten vor dem Mik sitzen und deshalb (so hoffte er zumindest) ein besonders wachsames Auge auf ihn würde haben können.

Ob Zufall oder gnadenlose Drängelei entzieht sich meiner Kenntnis, aber an jenem Morgen war der BKK tatsächlich als erster über AMIKI. Kollege G! kam somit endlich auch einmal zur heiss begehrten Number One und zwar ohne jegliche Bestechungsversuche (die sowieso erfolglos gewesen wären, wir Lotsen sind und bleiben unbestechlich, mögen Schokolade aber trotzdem sehr gerne).

Nachdem meine Kollegen ihn auf die ILS aufliniert hatten wurde der BKK kurz nach 6 Uhr zu mir auf die Tower Frequenz transferiert. Auch ich habe ihn nochmals wissen lassen, dass er heuer die Number One sei, schliesslich sollte er dieses Privileg entsprechend auskosten und geniessen können ;-)

Nach erfolgreich absolvierter Landung verordnete ich beim Verlassen der Piste den Frequenz-Wechsel zu den Kollegen der Apron. Da am Boden bekanntlich normalerweise der Copi den Funk macht, war sonnenklar, wer mir auf diese Anweisung antworten würde (..."und ich werde in der Landung in ZRH vorne sein, weiss aber noch nicht, ob am Stick"...) Das entsprechende Readback erfolgte wie erwartet vorschriftsgemäss, netterweise sogar versehen mit dem Zusatz "und en schöne Gruess as TWR Mädel!" 

Ob es an meiner Stimme oder an seiner Auffassungsgabe lag, dass er mich nicht erkannt hat weiss ich nicht. Im Nachhinein hat sich dann jedoch herausgestellt, dass ER von Anfang an am Funk war und der Captain am Stick. Dass ich ihn beim Initial Call aber genau so wenig erkannt habe wie er mich müssen wir jetzt nicht unbedingt lauthals in alle Welt heraus posaunen...

PS: Sollte es der Zufall wollen, dass irgendwann einmal im BKK Cpt Dide sitzt und im JNB gleichzeitig Kollege Gächter oder Skypointer, dann hab ich ein echtes Problem. Wie ich dieses lösen werde, weiss ich momentan ehrlich gesagt auch noch nicht.
Vielleicht werde ich dann den nff im SKG vorziehen müssen, damit der Langstreckenfrieden weiterhin gewahrt bleibt und ich mir meine Cockpit-Mitflugsprivilegien nicht vollends verspiele...

Dienstag, 20. März 2012

100 Tage

Sofern ich mich nicht gnadenlos verhauen habe sind es heute genau 100 Tage, seit ich mich ans Abenteuer eigener Blog gewagt und mit feuchten Händen den ersten Beitrag ins Netz gestellt habe. (Vorteil eines Greenhorns, das ich ja immer noch bin – da kann frau noch ohne grosse Rechenkünste Statistiken führen, die zehn Finger zum Zählen sollten reichen…)

Für mich Zeit und Grund genug für eine erste persönliche Bilanz, obwohl ich weder mich noch meinen Blog für derart wichtig halte, als dass das nun unbedingt nötig wäre...

Zuallererst möchte ich D A N K E sagen, und das gleich mehrfach!

Danke liebe Leser, dass ihr mir so zahlreich die Treue haltet. Wenn ich mir anschaue, wie oft mein Blog seit der Eröffnung schon angeklickt wurde, dann bin ich fast ein wenig erschlagen (und nein, meine eigenen Seitenaufrufe erscheinen nicht in dieser Statistik, die hab ich nämlich deaktiviert).
Danke auch für eure vielen vielen Kommentare und Komplimente, die ihr bei mir hinterlässt, das macht ganz viel Spass! Letztlich lebt mein Blog ja erst durch den Austausch mit euch allen, ich bleibe dran - ihr hoffentlich auch ;-)

Danke hoch geschätzter Langstreckensheriff, dass du mich überhaupt erst angeschubst hast. Ohne deine kleine Motivationsspritze hätte ich mich wahrscheinlich niemals an einen eigenen Blog gewagt. Obwohl, wenn ich wirklich ehrlich bin, habe ich dir in jenem Moment zwar schon geantwortet "Niemals, das kann ich nicht!“ Gedacht habe ich aber doch viel eher "WAAAAAAAAS, ICH??? What a crazy pilot, äusserst sympathisch zwar, aber offenbar nicht ganz hundert!" Heute glaube ich zu wissen, dass ich dir auch das fadegrad sagen darf, ohne dass du es mir ernsthaft übel nimmst…

Danke werte Elite-Blogger-Flieger, dass ihr mich von Anfang an so vorbehaltslos in euren Zirkel aufgenommen und meinen Blog gleich mehrfach an prominentester Stelle verlinkt habt. Dank eurer Starthilfe und eures Supports konnte ich von Beginn weg und ohne jegliche Anlaufschwierigkeiten so richtig hemmungslos aus dem Vollen schöpfen - ein Bonus, der eigentlich unbezahlbar ist und den ich enorm zu schätzen weiss!

Wenn ich mir anschaue, was das Bloggen alles bewirkt hat, dann ist das viel mehr, als ich jemals für möglich gehalten hätte...

...Bloggen macht tatsächlich einen riesengrossen Heidenspass und kann durchaus ein wenig süchtig machen...

...ich pflege inzwischen vielfältige Connections in die Pilotenwelt hinein, die mir einerseits enorm viel Freude bereiten, andererseits aber auch immer wieder sehr lehrreich sind und dazu führen, dass ich hie und da einen (selbstfinanzierten) Flug in der Kommandozentrale mitmachen darf - auf dass es schon bald wieder soweit sein möge...

...neuerdings schaffe ich es spielend mir halbe Nächte vor dem Compi um die Ohren zu schlagen...

...ich habe mir ein neues Netbook geleistet...

...beim Arbeiten frage ich mich hie und da, ob der Pilot am anderen Ende der Welle vielleicht auch zu meiner Leserschaft gehört...

...ab und zu werden am Funk nette Grüsse an mich ausgerichtet, die dann mit mehr oder minder lotsentypischen Zusatzkommentaren versehen bei mir ankommen...

...im Gegenzug dränge ich mich beim Arbeiten manchmal gnadenlos vor, wenn es darum geht unsere diversen Sektoren zu besetzen, denn das Vergnügen meine Schoggipiloten in die Finger zu bekommen lasse ich mir nur ungern entgehen. Die todsicher kommenden Frotzeleien seitens meiner Kollegen nehme ich dafür gerne in Kauf...

...wenn ich Glück habe, hilft mir der neue Nachbar im nächsten Winter beim Schneeschippen, oder er meldet sich freiwillig zum Waschen meines Wagens oder zum Rasenmähen - ich verspreche dafür, ihn im Gegenzug auch dieses Jahr mit Weihnachtsguetzli zu beliefern...

...ich warte immer noch sehnlichst darauf, endlich einmal JoBo auf meine Welle zu kriegen...

Nachdem ich meinen Blog eröffnet habe, habe ich mir - rein prophylaktisch - eine Liste mit diversen ATC-Themen erstellt, über die ich irgendwann einmal schreiben könnte und auch möchte. Heute stelle ich fest, dass diese Liste noch fast unberührt ist, was aber nicht heisst, dass ich mich nicht irgendwann einmal dahinter klemmen werde, ganz im Gegenteil.

Ich habe inzwischen einfach gemerkt, dass Bloggen eine Dynamik hat, die absolut nicht vorhersehbar ist. Da werden mir ganz unverhofft Hausaufgaben gestellt und schon ist wieder ein Thema da, über welches es sich zu recherchieren und zu schreiben lohnt.

Oder aber es kommt plötzlich von irgendwoher ein absolut unerwarteter Steilpass geflogen, der nur darauf wartet blogtechnisch verwertet zu werden. Ob daraus letztlich ein Tor resultiert oder nicht ist dann wieder eine andere Frage und darf respektive soll von jedem Leser individuell beantwortet werden...

Donnerstag, 15. März 2012

Erholung?

Diese Ferien sind ein riesengrosser Saustress - jawohl, wir kommen kaum dazu uns richtig zu erholen! Obwohl wir uns doch eigentlich nur einen einzigen Termin eingetragen haben müssen wir...

...am Morgen aufstehen, wenn es noch nicht richtig hell ist, sonst würden wir es nicht auf das erste Bähnli oder den ersten Skilift schaffen...



...und könnten somit auch nicht die ersten Abfahrten auf praktisch unberührten Pisten...




...und immer wieder absolut fantastische Panorama-Bilder geniessen...


 
...aviatische Beziehungen pflegen, schliesslich sind die Ferien irgendwann wieder vorbei und ab nächster Woche wollen wir doch auch auf der beruflichen Ebene wieder gut miteinander klarkommen...





...der Auftrag seitens Skypointer lautete Schümli Pflümi trinken, was wir uns sehr zu Herzen genommen haben; noch wissen wir nicht, welcher nun der absolute Favorit ist, das Casting geht drum mit vollstem Einsatz bis zum bitteren Ende weiter...








 
Ein einziger, hart erkämpfter Nachmittag auf dem sonnigen Balkon hat gereicht, um dieses Buch zu lesen - sehr beeindruckend, berührend, aber auch nachdenklich stimmend... 
Einmal mehr führt es vor Augen, wie privilegiert wir doch sind und wie verdammt gut es uns geht! Hoffen wir, dass es noch lange so bleiben möge...

Freitag, 9. März 2012

Ferien

Im Gegensatz zu ihm habe ich meine Ferien erstens noch vor mir und zweitens nur einen einzigen Termin eingeplant.






Die Morgenstimmung heute früh im Tower war wieder einmal sensationell, zuerst durften wir den im Westen untergehenden Mond beobachten und kurze Zeit später die im Osten aufgehende Sonne begrüssen.






Ob dieser Blog auch Ferien macht, weiss ich noch nicht, wir lassen uns mal überraschen...

Samstag, 3. März 2012

In eigener Sache

Wer mich kennt, weiss dass ich Wert lege auf Anstand und gute Umgangsformen im Kontakt mit meinen Mitmenschen. Ein Anspruch, den ich auch an meinen Blog und vor allem an die Kommentare aufrecht halten will und werde.

Leider habe ich neulich einen Kommentar drin gehabt, welcher die für mich zulässigen Grenzen deutlich überschritten hat.

Da ich keine Lust habe, mich über für mich nicht tolerierbare Aussagen zu ärgern, respektive auf diese zu antworten, habe ich per sofort die Funktion "Kommentarmoderation" aktiviert.

Es liegt mir fern nun eine Art Zensur zu betreiben, und solange die Formen des Anstands gewährt bleiben werde ich alle Kommentare selbstverständlich gerne eins zu eins veröffentlichen. Diese dürfen und sollen auch weiterhin mit einem Augenzwinkern verfasst werden oder auch mal kritisch sein, damit hab ich absolut kein Problem, ganz im Gegenteil.

Was ich jedoch nicht akzeptiere sind unqualifizierte Rundumschläge, die weit unter die Gürtellinie zielen.

Ich zähle auf euer Verständnis, danke!

Freitag, 2. März 2012

Mayday

Das Piepsen eines nicht ausgeschalteten Handys sorgt dafür, dass ein Airbus einen Notfall deklariert und eine Ausweichslandung macht.

Details dazu finden sich hier. 

Ob die Kosten dieser ganzen Aktion dem Besitzer des Blackberry in Rechnung gestellt werden (können)...?