Der Start ins neue Jahr ist geglückt. Meinem Antrag auf Erneuerung meiner Junior-Mitgliedschaft im aviatischen Elite-Bloggerverein wurde mehrfach stattgegeben, was mich natürlich sehr freut! (Ob sich die Leser ebenso sehr freuen wie ich weiss ich nicht, ich hoffe es aber…)
Der Normalbetrieb kehrt langsam zurück. Die letzten Sylvester-Nachwehen sind endgültig Vergangenheit und auch ich gehöre wieder zur arbeitenden Klasse. Höchste Zeit also, dass ich ein bisschen Seriosität an den Tag lege und mich auf das eigentliche Thema dieses Blogs besinne, nämlich ATC.
Wenn ich mich in Gesprächen als Fluglotsin oute, kommen eigentlich fast immer mehr oder minder die gleichen Kommentare und Fragen. Einer der Klassiker lautet: "Boah, das ist ja eine Wahnsinnsverantwortung!" Darauf pflege ich jeweils zu antworten: "Das ist richtig, aber die gibt es in ganz vielen anderen Berufen auch, so z.B. Piloten, Lokführer, Ärzte etc. etc."
Ebenso oft heisst es dann: "Aha, dann arbeiten Sie also am Radar im Tower", was eben nur bedingt richtig ist. Und genau darum möchte ich hier nun einhängen und unsere diversen Arbeitsplätze und unser Umfeld ein wenig detaillierter erklären. Da meine Homebase Zürich ist, mache ich das – logischerweise – am Beispiel von Zürich.
Grundsätzlich gibt es bei uns in Zürich zwei "Arten" von Fluglotsen. Es sind dies einerseits die Kolleginnen und Kollegen von der Luftstrasse - Aera Control Center, kurz ACC genannt und andererseits ist das die Unit, wo ich seit vielen Jahren Dienst tue, nämlich Tower und Approach (TWR / APC).
Die Spezialisierung auf die eine oder die andere Schiene findet heutzutage bereits während der Grundausbildung statt, lange bevor die Azubis ins jeweilige Unit Training übertreten. Einmal im Unit Training drin, erfolgt dann eine Spezialausbildung auf genau die Arbeitsplätze, welche später effektiv beackert werden. Dies ist bedingt durch unzählige lokale Vorschriften, die während der Arbeit zu berücksichtigen und von Unit zu Unit verschieden sind.
Kleines Beispiel: in unmittelbarer Nachbarschaft zum Flughafen Zürich liegt der Flugplatz Dübendorf. Da unsere Lufträume aneinander grenzen gibt es diverse Vorschriften, wie wir den Verkehr rund um diese Grenze zu führen haben. Dass diese Vorschriften z.B. einem Genfer Tower Lotsen völlig wurscht sind versteht sich ebenso von selbst wie die Tatsache, dass ein Zürcher Tower Lotse diese Vorschriften zuerst lernen und danach auch anwenden können muss. Ein bisschen drastisch formuliert könnte man uns demnach als absolute Fachidioten bezeichnen, welche nur ganz punktuell zu gebrauchen sind...
Grob aufgeteilt kann man sagen, dass ACC Lotsen für Überflüge (und somit luftraumtechnisch für die Airways) zuständig sind, APC Lotsen kümmern sich um An- und Abflüge (Terminal Control Aera - TMA), TWR Lotsen um Starts und Landungen (Control Zone - CTR).
Zu kompliziert? Vielleicht hilft dieses Bildchen:
Zu kompliziert? Vielleicht hilft dieses Bildchen:
Es handelt sich hier um eine stark vereinfachte, schematische Darstellung, welche vor allem für Nicht-Aviatiker gedacht ist...
Für alle, die es ein wenig detaillierter wissen wollen habe ich hier eine Karte unserer diversesten TMA Sektoren mit den dazugehörigen Untergrenzen, den wichtigsten Waypoints und den Anflugachsen:
Auf dieser Karte nicht eingezeichnet habe ich militärische Lufträume, die Zuständigkeitsbereiche für Altenrhein und Friedrichshafen, diverse kleine Flugplätze (z.B Birrfeld), Segelflugzonen sowie Gebiete, wo Fallschirmspringer unterwegs sind. Das sind aber alles Punkte, die wir bei der Arbeit auch noch berücksichtigen müssen.
Innerhalb unserer Unit unterscheiden wir zwischen Tower und Approach Arbeitsplätzen. Mit ganz wenigen Ausnahmen arbeiten bei uns alle Lotsen sowohl als auch. Tower Lotsen sind zu finden auf: "Züri Delivery, Züri Ground und Züri Tower", Approach Lotsen auf: "Züri Departure, Züri Arrival, Züri Final und Züri Terminal" (was aber nur selten gebraucht wird). Die ACC Lotsen nennen sich im Fachjargon "Swiss Radar" und sind auf verschiedensten Frequenzen anzutreffen.
ACC und APC Arbeitsplätze sind heutzutage in Wangen/Dübendorf beheimatet, die TWR Arbeitsplätze (logischerweise) am Flughafen im Tower. Im unteren Stockwerk des Towers sind die Apron Controller ansässig, welche als sogenannte Ground Movement Manager für das Vorfeld zuständig und Angestellte der Flughafen Zürich AG sind. Das obere Stockwerk der Tower Kanzel ist unser zu Hause.
ACC und APC Arbeitsplätze sind heutzutage in Wangen/Dübendorf beheimatet, die TWR Arbeitsplätze (logischerweise) am Flughafen im Tower. Im unteren Stockwerk des Towers sind die Apron Controller ansässig, welche als sogenannte Ground Movement Manager für das Vorfeld zuständig und Angestellte der Flughafen Zürich AG sind. Das obere Stockwerk der Tower Kanzel ist unser zu Hause.
Eine detailliertere Beschreibung unserer diversen Arbeitsplätze und der dazugehörigen Aufgaben folgt in einem der nächsten Teile.
Zum Schluss sei noch gesagt, dass auch wir unsere Kompetenzen und Fähigkeiten regelmässig unter Beweis stellen müssen. Das Bestehen dieser Tests ist eine der Grundvoraussetzungen für die Erneuerung unserer Lizenzen. Wir werden zwar nicht so oft geprüft wie Piloten, aber auch wir müssen uns immer wieder sowohl theoretisch als auch praktisch assessieren lassen, sei es im Livebetrieb oder in der Geisterbahn.

Besten Dank für diese tolle Berufsbeschreibung (weiter so) ;)
AntwortenLöschenJa, ich freue mich! ;)
AntwortenLöschenSehr interessant, bitte mehr davon!
Vielen Dank, es ist sehr spannend, auch mal was vom Arbeitsleben eines Tower Mädels zu lesen.
AntwortenLöschenGopfriedstutz ist das kompliziert!
AntwortenLöschenIch wundere mich ja ernsthaft, wie Du noch zum Backen von sooooooooo leckeren Guetzli gekommen bist.
Danke für Deine Büez!
nff
PS: es gibt auch die Tradition von Oster-Guetzli :-)
@nff: es ist sogar noch komplizierter ;-) und über die Osterguetzli können wir uns dann gerne beim versprochenen Bierchen unterhalten...
AntwortenLöschenAusgesprochen interessant!
AntwortenLöschenUnd bevor ich mit Fragen losstürme lausche ich erst einmal dem weiteren Unterricht in ATC-Kunde :)
@ Tweety: Fragen sind immer willkommen - go ahead ;-)
AntwortenLöschenDa bleibe ich lieber auf der anderen Seite des Funkes, bei dieser Grande Complication...
AntwortenLöschenM aka @timezonedriver
Wilco :)
AntwortenLöschenWie gesagt, Fragen werden kommen.
Momentan drücke ich erstmal mein Bedauern aus, dass Zürich Tower nicht über LiveATC zu empfangen ist sondern nur Zürich ACC.
Aber vielleicht dann doch die erste Frage:
Wie steht du eigentlich als (potentiell) Betroffene zu dieser Art transparenz? Würdest du es persönlich befürworten, dass quasi jedermann eurer Arbeit folgen kann? So wie einem Pizzabäcker, Bauarbeiter oder wem auch immer?
Oder denkst du, dass diese Funktätigkeit besser im Verborgenen ablaufen sollte, wie es in Deutschland Gesetz ist?
Bleibt natürlich die Möglichkeit, dass es dir vollkommen egal ist...
OK, Frage 2 ist auch schon vorbereitet ;-)
*notier*
@Tweety: Wir werden eh dauernd abgehört. Zwar nicht auf Live ATC, aber auf all den Scannern, die Aviatikfans mit sich herumtragen. Solange damit kein Unsinn getrieben wird, habe ich auch kein Problem damit, aber eben... letztlich haben wir nicht im Griff, was daraus gemacht wird.
AntwortenLöschenWas ich aber ganz sicher nicht mache, ich diskutiere nicht am Funk. Wenn Bedarf zur Klärung besteht, dann lasse ich einen Piloten anrufen und löse ein allfälliges Problem im direkten Gespräch, das bewährt sich schon seit Jahren.