Mittwoch, 28. Dezember 2011

On top

Die Weihnachtsschlacht 2011 ist erfolgreich absolviert.

Da das Schweizer Wetter im Moment wieder einmal eine ziemlich ungerechte Angelegenheit ist, habe ich mich in unser Paradiesli über dem Nebel zurückgezogen. Dieses liegt strategisch derart hervorragend, dass ich ohne Probleme auch von on top zur Arbeit pendeln kann. Meine Kollegen, welche sich täglich vom Aargau durch den Gubrist und über den Nordring wühlen, müssen für ihre Anfahrt wahrscheinlich mehr Zeit einplanen als ich es im Moment tue. Zudem komme ich so zumindest für einige Stunden pro Tag in den Genuss von herrlichem Winterwetter, welches mich die ewigen Nebelschlachten am und um den Flughafen ohne dauerhafte Schäden überstehen lässt…

METAR LSZH 271520Z
VRB01KT 0200 R14/0375N R16/0400N R28/0500N R34/0500N FZFG VV001 M00/M01 Q1035 NOSIG=

(für Nicht-Aviatiker: Flughafenwetter vom 27.12.11, von 15.20z (= 16.20 local): es hat stockdicken, gefrierenden Nebel, ist schweinekalt und es bleibt wie's ist)


Sowohl am 24. wie auch am 25. ist es mir ganz und gar nicht langweilig geworden hinter dem Mik. Die Zeiten, als an Weihnachten praktisch nicht geflogen wurde gehören offenbar endgültig der Vergangenheit an. Für diejenigen, die sich fragen, ob ich den Kollegen nff beglücken durfte: und wie ich ihn (sogar mehrfach) beglücken durfte! Er war echt begeistert von unserem Weihnachtsservice…

Vor allem am 25. war die Stimmung auch seitens Pilotenschaft auffallend gut und locker - es wurden in der Tat viele nette, kurze Weihnachtswünsche übermittelt. Ich will hier jetzt keinen Glaubenskrieg lostreten, ob diese Dinge auf den Funk gehören oder nicht. Tatsache ist, wir sind alle Profis und so verhalten wir uns auch. Nichtsdestotrotz finde ich, dass gerade an solchen Tagen Platz für ein bisschen Menschlichkeit sein darf, ja sogar sein muss. Wo dabei die Grenze ist, soll jeder für sich selber entscheiden dürfen.

Auch meine Guetzli haben hervorragend gemundet, zumindest wurde mir das von verschiedenster Seite so bestätigt. Das verpflichtet natürlich jetzt schon für Weihnachten 2012!

Da ich mich als freiwillige Weihnachtsarbeiterin zur Verfügung gestellt habe, darf ich über den Jahreswechsel ein paar wohlverdiente freie Tage geniessen - ich freue mich jetzt schon auf eine gute Zeit mit lieben Freunden.

S'Läbe isch schön – hoffen wir, dass es auch im neuen Jahr so bleibt.

Euch allen einen guten Rutsch!



Mit diesem Bild beantrage ich offiziell, dass ich auch im 2012 weiterhin im aviatischen Elitebloggerclub mittun darf ;-)
Falls es wider Erwarten Leser gibt, die sich fragen, was es damit auf sich hat, denen sei das Studium dieser Seite mit sämtlichen dazugehörigen Links empfohlen...

Samstag, 24. Dezember 2011

Weihnachtsdienst

Wir schreiben den 24. Dezember, Heiligabend. Am frühen Nachmittag beginnt mein Dienst, welcher bis in den Abend hinein dauern wird. Wie jedes Jahr verbringe ich einen grossen Teil der Weihnachtstage nicht zu Hause vor dem Tannenbaum (nein, wir haben nicht einmal einen), sondern auf der anderen Seite des Mikrofons. Notabene auf meinen eigenen Wunsch. Ich kann mit allgemein verordneter Fröhlichkeit, Heiterkeit, Besinnlichkeit und grossen Family-Reunions (welche bekanntlich ein gewisses Eskalationspotenzial haben) nicht wirklich viel anfangen. Um mit lieben Leuten eine gute Zeit zu verbringen brauche ich kein bestimmtes Datum, welches mir vorschreibt, dass ich zu feiern habe. Und so melde ich mich jedes Jahr freiwillig, wenn es darum geht jene Dienste zu besetzen, während derer auch bei uns viele Leute gerne frei machen.

Die Stimmung an diesen Tagen ist im Dienst jeweils ein wenig speziell. Auch wir haben Weihnachtsdekoration aufgestellt, ganz zu schweigen von den Unmengen an Nüssli, Schoggi und anderen Köstlichkeiten, die um diese Jahreszeit scheinbar unlimitiert vorhanden sind. Zudem bringe ich am 24.12. seit vielen Jahren selbst gemachte TWR Mädel-Weihnachtsguetzli mit, würde ich heute ohne auftauchen gäbe es wahrscheinlich diverse lange Gesichter…





Viele Piloten wünschen in diesen Tagen am Funk „merry christmas“, andere hingegen verweigern diesen Gruss konsequent. Eigentlich schade, denn ich freue mich darüber, vor allem wenn es eine sympathische Stimme ist, die grüsst. Je nach dem, wer grüsst fragen wir uns ab und zu, ob der Grüssende auch Weihnachten feiert und in welcher Form.

Manchmal sinniere ich, was das für Passagiere sind, die den Abend des 24. Dezembers mehr oder weniger freiwillig eingesperrt in einer engen, furztrockenen Röhre verbringen. Vielleicht Weihnachtsverweigerer, so wie ich? Offenbar besteht ein Bedarf, denn sonst wären die fliegenden Kollegen und wir ja arbeitslos heute abend.

Auch am 25.12. werde ich wieder on air sein, mal schauen, wie viel Arbeit wir dann haben werden. Früher lief an diesem Datum den lieben langen Tag rein gar nix, in den letzten Jahren hat sich das aber ziemlich geändert. Vielleicht kriege ich ja sogar - sozusagen als kleines Weihnachtsgeschenk - den Kollegen nff zwischen die Zähne ;-)

Ich wünsche der geschätzten Leserschaft schöne Weihnachten!

Mittwoch, 21. Dezember 2011

Winterwonderland

Dienstag morgen, halb acht. Der Wecker schmeisst mich unerbittlich aus den Federn. Ich bin geistig noch voll im standby Mode, der Kopf ist schwer, ich stecke nach unserem NY Reisli noch mitten im Jetlag irgendwo über dem Nordatlantik… Meine Schicht beginnt zwar erst am Mittag, aber mein Gestell braucht dringend Bewegung, meine Joggingschuhe schreien nach Auslauf. Plan A lautet darum eine ausgiebige Laufrunde dem Waldrand entlang zu drehen. Doch als ich aus dem Fenster schaue beschleichen mich leise Zweifel. Es schneit und das nicht zu knapp. Irgendwie sieht das alles ein bisschen rutschig aus. Chaotin, die ich nun mal bin sind die Chancen recht gross, dass ich irgendwo auf die Schnauze fliege und wenns dumm läuft ist die Skisaison schon zu Ende noch bevor sie angefangen hat. Plan A ist somit vom Tisch, auch wenn eine solche Runde sicherlich sehr schön gewesen wäre.

Da wir Lotsen immer in Optionen denken und für sämtliche Eventualitäten gerüstet sind ist Plan B natürlich ebenfalls abrufbereit. Darum packe ich meine Sporttasche und mache mich auf den Weg in den Fitnesstempel, schliesslich will die Jahreskarte ebenfalls amortisiert werden… (Plan C - zurück unter die warme Decke - wäre zwar ebenfalls sehr verlockend, steht an diesem Morgen aber nicht im Angebot.)

Da es nur wenig Verkehr auf den Strassen hat, meistere ich die Hinfahrt problemlos. Der Heimweg nach dem Training liefert dann einen ersten Vorgeschmack auf das, was an diesem Tag noch alles kommen sollte. Es schneit immer noch, ist rutschig und wie immer an solchen Wintertagen hat es diverse Schleicher und Quersteher auf den Strassen. Egal, ich habe genug Zeit eingeplant.

Als ich kurz nach 13 Uhr meinen Dienst im Niemandsland hinter dem Brüttiseller Kreuz antrete bestätigen sich meine Vorahnungen vom Vormittag. Wenn auf den Strassen nicht mehr viel geht, dann ist das auch am Flughafen nicht wirklich anders (gemäss Tageszeitung von heute Mittwoch beurteilten die Flughafenbetreiber das allerdings ein wenig unterschiedlich… ist wahrscheinlich auch eine Frage der Optik).
Die vormittägliche Anflugwelle, welche normalerweise spätestens um 12 Uhr am Boden ist ist noch voll am Laufen, die Holdings leeren sich nur langsam. Bei Schnee können wir im Endanflug nicht auf das Minimum runtergehen, es dauert halt jeweils ein wenig länger als normal, bis eine Landung die Piste verlassen hat. Logischerweise hat das auch Auswirkungen auf die Abflugwelle vom Mittag, welche unter normalen Bedingungen meist so gegen 14 Uhr draussen ist, was aber heute garantiert nicht der Fall sein wird - noch können Wetten abgegeben werden wie lange es dauern wird. Ich setze auf ca 15.30 Uhr, wie sich weisen wird, liege ich aber ziemlich daneben…

Damit wir während Radartouren mitverfolgen können, was am Flughafen läuft haben wir an den Sektoren in Wangen ein Bild des Bodenradars vom Airport zur Verfügung. Das ist für unsere Planung nicht unerheblich, sind doch die Starts von gewissen (aber nicht von allen) Pisten abhängig von den Landungen und erfordern eine enge Koordination zwischen Tower- und Approachcrew.
Da die Anflugwelle nun definitiv am Abflauen ist bleibt mir Zeit, um das Geschehen auf dem Platz dank dieses Radars ein wenig zu beobachten. Nachdem die Schneeräumung auf Piste 16 abgeschlossen ist, wird als nächstes Piste 14 geputzt. Das heisst nichts anderes, als dass wir während rund einer halben Stunde auf der Piste 16 landen und auf den Pisten 28 und 16 starten. Crossing respektive same Runway Operation ist eigentlich auch ohne Schnee schon genug komplex, am Minimum rein- und rausschaufeln ist bei diesen Verhältnissen erst recht kein Thema, darum bleiben wir bei den Abständen der anfliegenden Maschinen auf der grosszügigen Seite – die TWR Crew weiss es sicher zu schätzen.
Die diversen RWY Changes, die so ein Schneetag mit sich bringt verlangen von uns wie auch von den Piloten einiges an Flexibilität. Kurzfristige Wechsel sind normal, da muss die Lotsin höllisch aufpassen, dass keine falsche RWY kommuniziert wird und keine Missverständnisse entstehen!

Auf dem Airport wird jetzt überall fürs Deicing angestanden, da es auch noch Schnee auf den Fliegern hat, der weg muss dauert es jeweils eine gefühlte Ewigkeit, bis es wieder einer vor die Piste und letztlich in die Luft schafft.
Inzwischen ist es ca 16 Uhr, ich bin aus meiner ersten Pause bereits zurück und praktisch sämtliche Langstreckler des Mittagsoutbounds sind immer noch auf dem Platz. Die ersten haben es zwar endlich bis vor die Piste 16 geschafft, da es aber schon wieder schneit und Murphy auch heute wieder einmal kräftig mitmischt müssen wir erneut putzen – die Piste 16 geht drum wieder zu! Wenn es jetzt ganz dumm geht, dann werden die armen Kerle erneut enteisen müssen, wir leiden vom Boden aus mit. Mir tun diese Piloten leid, seit Stunden schon am Flughafen und immer noch auf Feld eins, ich stelle mir das echt frustrierend vor! Soweit ich es mitverfolgen kann muss mindestens einer der Heavies erneut enteist werden und gegen 17.30h kommt auch der letzte Mittagslangstreckler noch in die Luft… meine Prognose war offenbar ein ganz klein wenig zu optimistisch!



Dass sich dieser kumulierte Delay bis weit in den Abend hineinzieht ist logisch. Den Kollegen von den Spätdiensten ist die Arbeit ebenfalls nicht ausgegangen und an meinem Wohnort schön in der Mitte zwischen dem Flughafen und Wangen höre ich auch um 23.45h noch Starts in die Luft gehen… wie sagen wir jeweils so schön – one of these days!

PS: Eigentlich hatte ich geplant, meinen ersten "richtigen" aviatischen Beitrag über unsere diversen Arbeitsplätze und -orte zu schreiben. Da mir das Wetter einen derart hervorragenden Steilpass geliefert hat, habe ich kurzerhand umdisponiert. Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben.

Nachtrag: nachdem ich diesen Beitrag ins Netz gestellt habe durfte ich feststellen, dass Kollege skypointer gestern offenbar ebenfalls bei uns im Schnee stecken geblieben ist...

Sonntag, 18. Dezember 2011

Zwei Mädels gehen auf Reisen

Was stellen zwei charmante Mädels an, die kurz vor Weihnachten zusammen sechs Tage frei haben? Richtig, sie machen Weihnachtseinkäufe! Und da uns unsere Männer dabei nur stören würden, überlassen wir die beiden zu Hause gnadenlos dem Schicksal und entschwinden kurzerhand in den Big Apple - wenn schon denn schon lautet die Devise für diesen Kurzurlaub…


Nach dem Aufgeben der grossen, (noch) leeren Koffer besteigen wir das Flugzeug, welches ohne nennenswerten Delay in die Luft kommt. Über dem Nordatlantik auf FL380 dürfen auch wir herrliche Perspektiven geniessen, die normalerweise den Mitgliedern der fliegenden Zunft vorbehalten sind.






In NY angekommen haben wir ein dicht gedrängtes Programm, schliesslich lautet unser erklärtes Ziel Santa das arme Schwein zu finden. Und da wir nicht genau wissen, wo der bemitleidenswerte Kerl seinen Dienst verrichtet, bleibt uns nichts anderes übrig, als uns gründlichst in den diversen Einkaufstempeln umzusehen. Es ist wohl selbstredend, dass es dabei nicht bloss beim Schauen geblieben ist…


Nein, der Inhalt DIESER Tüte wird nicht verraten...




Damit uns unsere Männer zu Hause nachher nicht vorwerfen können, wir hätten von NY eigentlich gar nichts gesehen, machen wir zwischendurch auch ein wenig sightseeing mit dem obligaten Foto dazu.






Während unserer Suche nach Santa durch die Einkaufsmeilen begegnen wir auch allerlei Kuriosem und Skurrilem.



Limited Edition, worldwide 10 pieces only, Stückpreis schlappe 24999.- Dollar!
Wir fragen uns übrigens immer noch, handelt es sich hier jetzt um Jungs- oder Mädelsspielzeug…



Wer lange genug sucht, der findet – und so war unsere Mission letztlich auf der ganzen Linie ein voller Erfolg!






Allerdings wollte oder konnte Santa uns nicht verraten, wie lange er denn noch arbeiten muss, bis seine Schulden nun ganz getilgt sind – aber vielleicht weiss ja der Kollege skypointer da ein bisschen mehr dazu…



PS: Denjenigen, die jetzt enttäuscht sind, weil dieser Beitrag nix mit der Fliegerei zu tun hat sei gesagt, dass auch das TWR Mädel hie und da einmal Ferien braucht - die fliegenden Jungs und Mädels können nämlich zwischendurch auch ganz schön fordernd sein...


Ich verspreche der geschätzten Leserschaft aber, dass der nächste Beitrag in diesem Blog aviatischer Natur sein wird.

Montag, 12. Dezember 2011

Mein erstes Mal

...schade führt Tower Mädel keinen Blog... So lautete einer der Kommentare zu einem Post des Exilexpaten, der darauf antwortete: "Tja, warum führt TWR-Mädel keinen Blog? Ich habs ihr auch schon ans Herz gelegt."

Er hat es mir in der Tat bereits vor einiger Zeit ans Herz gelegt, und meine erste, spontane Reaktion war "Niemals, das kann ich nicht!“ Und dennoch, der Pfeil blieb stecken, die Initialzündung war gemacht. Das Thema eigener Blog spukte mir seither immer und immer wieder im Kopf rum. Soll ich, oder doch nicht, oder eventuell, oder…?

Nun, ich wage es. Die Messlatte, gesetzt von den diversen aviatischen Elitebloggern liegt natürlich brutal hoch – indes, ich hoffe auf einen gewissen Anfängerbonus.

Auch wenn ich nicht allzu fest in die Details gehen kann und werde, möchte ich versuchen ein wenig aus dem Leben auf der anderen Seite des Mikrofons zu erzählen.

Zum Einstieg lasse ich Bilder sprechen - Impressionen meiner diversen Schichtdienste, die ich hie und da gerne mit der Kamera festhalte.